Solitär im Park!

Im Zentrum der Kreisstadt Winsen an der Luhe liegt mitten in einem schönen Park ein wuchtiges Wasserschloss, seit 1852 Sitz des Amtsgerichts. Mit einem Realisierungswettbewerb wurden 2002 die Grundlagen für den Neubau eines Dienstgebäudes für das Grundbuchamt auf einem bisher als Parkplatz genutzten Grundstück neben dem Schloss geschaffen.

Der 1. Preis ging an das Büro ArchitektenRüdiger, Braunschweig, für einen dem Nutzungscharakter entsprechenden schlichten, kubischen Baukörper, der als „Solitär im Park” mit dem historischen Schloss korrespondiert. Danach wurde das Projekt zunächst Opfer eines Baustopps wegen der Finanzknappheit des Landes Niedersachsen.2008 konnte das Projekt neu gestartet werden.


In Winsen beherrscht das Rot des regionstypischen Ziegelmauerwerks das Stadtbild. Auch das Schloss, das 1617 seine heutige Gestalt erhielt, erstrahlt in warmem Rot. Eine erste Überlegung war, das neue Verwaltungs- und Archivgebäude mit einer passenden Mauerwerksfassade zu errichten. Tatsächlich realisiert wurde die Fassade nun jedoch in rotem Architekturbeton, denn weitere Überlegungen zum Material führten zu der Erkenntnis, dass eine neue Mauerwerksfassade in der „Konkurrenz” zum benachbarten Schloss nicht überzeugen kann.
Die Lösung, die mit der sich auch der Denkmalpfleger anfreunden konnte, war nun, die Fassade materialgetreu zum tragenden Baukörper aus Beton herzustellen, in einem mit dem baulichen Ensemble harmonierenden Rot.


Müva zeichnete bei diesen Bauvorhaben verantwortlich für das Gewerk Betonvorhangfassade, einschließlich Dämmung. Als „Messlatte” für die spätere Beurteilung der Oberflächenqualität diente eine Referenzplatte in Originalgröße, mit der Bauherr und Betonwerk sich auf Farbgebung, Oberfläche, Marmorierung und Textur verständigten. Statt einer Hydrophobierung hatte der Bauherr einen permanenten Graffitischutz ausgeschrieben, der sowohl die Farbtongleichmäßigkeit als auch die Entfernbarkeit von Schmierereien sicherstellt.


Lieferung und Montage der insgesamt fast 120 Fassadenteile erfolgte in vier Abschnitten, jeweils für eine Gebäudeseite. Die Fertigteile sind mit 2,68 m Höhe geschosshoch, mehrheitlich 1,73 m breit bzw. mit anbetoniertem Riegel 3,35 m. Die Eckelemente haben spezielle, angeformte Umecken. Die Kanten waren scharfkantig, d.h. ohne Dreikantleisten zu fertigen. Im September 2009 erfolgte die Abnahme des Gewerks Fassade.


Fazit der Architekten: Die Ausführung der Fassade in Architekturbeton war im Vergleich zu hochwertigen Ziegeln etwa kostenneutral, hat jedoch einen deutlich schnelleren Bauablauf ermöglicht.