Beton und Oberfläche

Die Schalhaut „prägt“ im Wortsinne die Oberfläche des Bauteils.

Saugende Schalung erzeugt andere Abbilder als nicht saugende. Matrizen formen Strukturen. Das Säuern des jungen Betons oder das Bearbeiten der erhärteten Oberfläche, alles dieses sind Effekte, die es zu entdecken gilt.

Das erste und sichtbarste Mittel, eine Betonoberfläche zu gestalten ist die Schalhaut. Nach dem Entschalen zeigt der Beton, bestehend aus Zementstein und Feinstanteil des Zuschlags, das Abbild der verwendeten Schalung. Je nach Art und Material der Schalhaut hinsichtlich des Saugverhaltens wird unterschieden in saugende und nicht saugende Schalhaut.

Saugende Schalhaut, z. B. eine sägeraue Brettschalung aus unbehandelten Brettern vom Sägewerk, dicht verlegt:

  • Ermöglicht den Entzug von Luft und Überschusswasser,
  • es entstehen wenig Poren,
  • ein relativ gleichmäßiger, jedoch dunkler Farbton.

Nicht saugende Schalhaut, z. B. eine glatte Phenolharz- bzw. Betonplanholzschalung, Stahlschalung oder auch lackierte Spanplatten:

  • Ermöglicht die Herstellung von glatten Oberflächen,
  • begünstigt die Entstehung von Poren- und Wolkenbildung,
  • begünstigt die Entstehung von Marmorierung und Farbunterschieden.

Mit Dreikant- oder Trapezleisten, die auf die Schalhaut gelegt werden, lassen sich dekorative Scheinfugen bilden.

  • Durch das Profil der Oberfläche treten Farbtonunter­schiede wie auch Wolkenbildung und Marmorierung optisch zurück.

Anwendungsbeispiele

Mit Brettschalung erzeugte Oberflächenstruktur

Schalungsvarianten
Phantasie im Schalungsbau bringt weitere kreative, dekorative Oberflächen hervor: Eine gehobelte Brettschalung, höhenversetzt verarbeitet, erzeugt eine künstlerisch anmutende Oberflächenstruktur.

Eingelegte Individualmatritzen

Strukturmatrizen
Strukturmatrizen zählen zu den bewährten Verfahren, eine Betonoberfläche dekorativ zu gestalten. Es stehen industriell vorgefertigte Muster zur Verfügung. Die Hersteller fertigen aber auch individuelle, projektspezi­fische Matrizen an. Matrizen werden in die Schalung eingelegt und bilden ihr Muster in der Betonoberfläche ab.

Fassadenfertigteil mit eingelegten Klinkern

Oberflächenmaterialien
Betonfertigteile können auch mit Klinkern, Fliesen und Natursteinplatten gestaltet werden. Das Oberflächenma­terial wird in die Schalung eingelegt und geht einen Verbund mit dem Hinterbeton ein.

Fotobeton

Fotobeton
Immer beliebter wird die Anwendung von Fotobeton. Dies ist ein noch recht junges Verfahren, das sehr dekorative Möglichkeiten eröffnet. Die Oberfläche wirkt, als sei ein Foto „aufgedruckt“. Tatsächlich wird dieser Effekt durch Folien erzielt, die in die Schalung eingelegt werden und Abbindeverzögerer auf die Betonoberfläche übertragen.

Oberflächenbearbeitungen
Vom Betonwerkstein her bekannt sind verschiedene Techniken der Oberflächenbearbeitung. Waschverfahren kommen am jungen Beton zum Einsatz. Beim Feinwaschen wird nach einem Tag die oberste Feinmörtelschicht (höchstens 2 mm) entfernt. Dabei wird nur die Zuschlagkornspitze mit dem Zementleim frei gelegt; das Oberflächenbild wird wesentlich von der Mörtelschicht bestimmt. Beim Auswaschen wird die Feinmörtelschicht mehr als 2 mm tief freilegt. Zuschlag und Zementleim bestimmen die Farbe.


Die Oberfläche von erhärtetem Beton kann z. B. durch Absäuern gestaltet werden. Die Säure löst die oberste Schicht des Feinmörtels an. Das Aussehen der leicht rauen Oberfläche erinnert an Sandstein. Darüber hinaus steht eine Reihe von handwerklich-mechanischen Verfahren zur Oberflächengestaltung zur Verfügung:

 

Produktionsmöglichkeiten der Beton-Oberfläche

Scharrieren
mittels Scharriereisen oder Scharriermaschine;
erzeugt gleichmäßige parallele Riefen.

Bossieren
Die Betonfläche wird mit Bossierhammer oder
Setzeisen ca. 5 bis 6 cm tief bearbeitet.

Sägerau
Sägeraue Brettschalung aus unbehandelten 
Brettern vom Sägewerk, dicht verlegt.

Schalung glatt
Glatte Phenolharz- bzw. Betonplanholzschalung, Stahlschalung oder auch lackierte Spanplatten

Matritzen
Matritzen mit in die Schalung eingelegten Strukturmatritzen.

Individuelle Matritzen
Texturierte Matritzen nicht saugende texturierte Kunststoff-Matritzen

Sandstrahlen
Strahlverfahren mittels abrasiven Stoffen wie
Quarzsand, Stahlkugeln oder Hochofenschlacke.

Auswaschen
Mittels Verzögerung des Erhärten der Mörtelmatrix
an der Oberfläche und durch anschließendem
Abwaschen.

Fotolithverfahren
Durch Folien erzeugt, die in die Schalung eingelegt werden und  durch Abbindeverzögerer auf die Betonoberfläche übertragen werden.

Stocken
Bei gestockten Betonoberflächen wird mit Hilfe von Pressluftmeißeln eine Struktur erzeugt.

Flammstrahlen
Durch Beflammen mit hoher Temperatur. Die äußere Zementhaut wird zum Schmelzen gebracht.

Polieren
Durch feine Schleifmittel glänzend geschliffen.

Einsatzbereiche:

Stadtraummöbel
Brüstungen
Denkmäler
Fassaden
Innenwände
Kunstobjekte
Vorgehängte Fassaden
Wandplatten

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